Saron statt Libor – Was Hypothekarnehmer beim Zinssatz jetzt beachten sollten

Zum Jahresschluss 2021 wird das Ende für den Libor, die Kurzform für die «London Interbank Offered Rate», kommen. Die im Interbankenmarkt gebotenen Zinssätze waren für die globalen Finanzmärkte lange Zeit von zentraler Bedeutung. Mit der Finanzkrise änderte sich jedoch dieses Bild. Verlässlichkeit und Stabilität wurden untergraben, es kam zu mutmasslichen Kursmanipulationen und, ganz entscheidend, zu einem nie zuvor gesehenen Liquiditätsrückgang im für ungesicherte Kredite im Interbankenmarkt.

Überfällige Zinssatzreform

Seit nunmehr neun Jahren wird eine Reform der existierenden Zinssätze in Übereinstimmung mit den Grundsätzen des Financial Stability Boards (FSB) und der International Organization of Securities Commissions (IOSCO) angestrebt. Die fünf wichtigsten Währungsräume (Dollar, Euro, Franken, Pfund und Yen), die den Libor verwenden, wollen nun einen jeweils eigenen neuen und praxisorientierten Richtzinssatz lancieren.

Für die Schweiz steht der neue Name bereits fest: Saron, für die «Swiss Average Overnight Rate». In Zukunft leihen sich die Banken zu diesem Zinssatz untereinander von einem Tag auf den anderen Geld gegen Hinterlegung von Sicherheiten. Für grosse und international tätige Banken wird die Ablösung des Libor eine Herkulesarbeit in den IT-Abteilungen. Die aufwendige und höchst komplexe Umstellung wird zudem auch nicht ganz kostenfrei ablaufen. Die Finanzbranche rechnet mit Kosten in Höhe von 200 bis zu 400 Millionen Franken – pro Bankinstitut.

Auswirkungen hat dies auch auf die Hypothekarnehmer in der Schweiz, deren Kreditvertrag meist noch auf dem Libor-Zinssatz basiert. Was geschieht also mit Kreditverträgen, die über das Ende 2021 hinauslaufen? Für eine solche Umstellung gibt es noch keine Erfahrung. Die Finanzwirtschaft betritt Neuland. Zudem sind noch einige Fragen offen: Wie zum Beispiel kann der Tageszinssatz Saron so weiterentwickelt werden, dass er künftig als neue Referenzgrösse für drei- oder sechsmonatige Finanzprodukte, wie beispielsweise Hypotheken, eingesetzt werden kann?

Erste Saron-Terminkontrakte

An der Terminbörse Eurex sind kürzlich erstmals Terminkontrakte – sogenannte «Futures» – mit einer dreimonatigen Laufzeit auf den Saron gehandelt worden. Wird hier bis Ende 2021 ein entsprechend grosses und valides Volumen erzielt, könnten die Banken und Hypothekargeber künftige variable Drei- oder Sechsmonatshypotheken auf der Basis von Saron-Terminkontrakten festlegen. Für Hypothekarnehmer wäre dies eine vorteilhafte Lösung. Sie wüssten somit wie bis anhin im Voraus, wie hoch der Hypothekarzinssatz sein wird.

Alternativszenarien berechnen den Zinssatz zum Beispiel für eine Dreimonatshypothek als Durchschnitt aus dem täglichen Saron-Zinssatz für die kommenden drei Monate ab Vertragsabschluss. Somit hätte der Kreditnehmer erst im Nachhinein Klarheit über die Höhe des tatsächlichen Hypothekenzinses. Dies scheint keine Lösung, die vom Markt angenommen werden dürfte. Daher diskutieren die Banken für diesen Fall, eine Zinsobergrenze einzubauen. So könnte das Risiko für Hypothekarnehmer geringer gehalten werden.

Grafik mit Verlauf des Libor- und Saron-Zinssatz im Jahr 2018

Abbildung: Saron und Libor im bisherigen Jahresverlauf 2018 (Quelle: SNB)

Fazit

Da der überwiegende Teil der Liegenschaftsfinanzierungen meist zu Festzinssätzen erfolgt, besteht für die Hypothekarnehmer kein akuter Handlungsbedarf. Handelt es sich jedoch um bislang variable Hypothekarkredite basierend auf dem Libor, müssen diese in der Schweiz bis spätestens Ende 2021 auf den Saron umgestellt werden bzw. in Grossbritannien auf «Sonia» (Sterling Overnight Index Average), in den USA auf «Sofr» (Secured Overnight Financing Rate) und in Japan auf «Tonar» (Tokyo Overnight Average Rate). Im Euro-Raum lässt man sich noch Zeit mit dem neuen Namen: Einer der derzeitigen Arbeitstitel ist «Ester» (Euro Short-Term Rate). Die Einführung soll Oktober 2019 erfolgen.

Der Interbankenmarkt erklärt:

Auf dem Interbankenmarkt handeln Geschäftsbanken untereinander mit Finanzinstrumenten. Zu diesen gehören beispielsweise Geld, Wertpapiere, Devisen, Sorten, Edelmetalle und Derivate. Dieser Handel zwischen Geschäftsbanken wird als Interbankenhandel bezeichnet.

Die Zinsberechnung bei Geldanleihen basiert auf international anerkannten Referenzzinssätzen wie dem EURIBOR, LIBOR oder EONIA. Devisen werden zum sogenannten Interbankenkurs gehandelt.

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