Wie lange halten die negativen Zinsen in der Schweiz noch an?

Dreieinhalb Jahre Negativzinsen – seit dem Schritt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Januar 2015 befinden sich die Zinsen im negativen Bereich und damit auf einem historischen Tiefstand. Sie liegen damit weit entfernt von den Werten Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre, als sie zwischen 6 und 10 Prozent rangierten. Seither ist das Zinsniveau abgeschmolzen und übersprang seit 1995 nicht mehr die 4-Prozent-Marke. Viele Experten gehen davon aus, dass die Entwicklung auch in Zukunft eher moderat bleiben wird. Ein Anstieg bis auf 2 Prozent, maximal 3 Prozent halten die Marktkenner mittel- bis langfristig für wahrscheinlich.

Ein grosser Faktor bei einem allfälligen Anstieg der Zinsen ist die EZB (Europäische Zentralbank) mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie fährt gerade ihr nach der Finanz- und Euro-Krise geborenes QE-Programm (Quantitative Easing) mit einer expansiven Geldpolitik in Europa zurück und bereitet so möglicherweise den Weg für erste Zinsschritte nach oben, eventuell 2019 oder auch erst 2020. Dies könnte die hiesige SNB dazu veranlassen, ihrerseits die Zinszügel etwas zu lockern. Die Credit Suisse erwartet beispielsweise erste Änderungen am Zinssatz in der Schweiz frühestens im März des kommenden Jahres. Bei der UBS geht man aktuell davon aus, dass hierzulande vielleicht schon bald ein erster kleiner Schritt um 25 Basispunkte (von minus 0,75 auf minus 0,50 Prozent) nach oben erfolgen könnte.

Leitzins der SNB seit 2014

Seit dem Zinsschritt der SNB im Januar 2015 bewegen sich die Zinsen in der Schweiz auf einem historischen Tiefstand.

Für Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen, dem grössten Hypothekargeber in der Schweiz, ist klar: «Bei moderater Teuerung darf sich die SNB in Zurückhaltung üben. Einen Zinsschritt in diesem Jahr halten wir nach wie vor für ausgeschlossen. Das sorgt auch am Immobilienmarkt für aufgeräumte Stimmung. Betongold wird weiter rege nachgefragt.» Deutlich wird beim Blick auf das Zinsgebahren im europäischen Raum auch die Abhängigkeit von der Politik der Federal Reserve Bank (Fed) in den USA. Dort sind die Zinsen bereits mehrfach angezogen worden. Weitere Zinsschritte werden wohl im zweiten Halbjahr 2018 und danach folgen. Die allgemeine Erwartung ist, dass sich Europa mit einer Verzögerung von zwei, drei oder vielleicht sogar erst vier Jahren dieser Entwicklung anschliesst.

Tiefe Zinsen sorgen für positiven Nebeneffekt auf dem Immobilienmarkt

Die Negativzinsen in Europa, die den eingebrochenen Kredit- und Anleihemarkt nach der Finanz- und Euro-Krisestützen und wieder aufrichten sollen, haben in einem Nebeneffekt dazu geführt, dass günstiges Geld für Immobilienprojekte in grossen Massen zur Verfügung steht. Das Betongold als Asset-Klasse hat mit seinen vergleichsweise höheren Renditen zugleich vielen anderen alternativen Anlagen den Rang abgelaufen, auch in der Schweiz. «Unverändert ist der Rendite-Spread für Investoren Treiber Nummer eins der Nachfrage nach kommerziell genutzten Immobilien oder Renditeliegenschaften. Im Wohneigentumssegment ist es die Aussicht auf günstigere Wohnkosten, welche die Nachfrage hochhält», sagt Neff. Dennoch mehrten sich Zeichen, dass der Superzyklus langsam ausläuft und einem moderateren Klima weicht.

Bereits vor gut zwei Jahren haben Marktexperten ein sogenanntes «soft landing» bei den Immobilienpreisen in der Schweiz als wahrscheinlich prognostiziert. Wie die aktuelle Lage zeigt, ist dieses Szenario bis anhin eingetreten. Ein bedachter und langsamer Anstieg der Zinsen in nächster Zeit könnte dem Markt das günstige Geld wieder sanft entziehen. Vorausgesetzt das Einwanderungssaldo in der Schweiz bleibt weiterhin in der Spanne von jährlich etwa 40.000 bis 80.000 Einwohnern, wird die Nachfrageseite weiterhin robust bleiben und mit ihr auch die Immobilienpreise. Sollten jedoch die Zinsen massiv und schnell in die Höhe gehen, könnte dies im Gegenzug auch fallende Immobilienwerte bedeuten. Dies stellt ein Worst-Case-Szenario dar, welches nur von wenig Analysten für möglich gehalten wird.

Sanftes Ende des Zyklus‘ erwartet

Vieles deutet derzeit darauf hin, dass ein eher sanftes Ende des aussergewöhnlichen Immobilienmarktzyklus‘ in der Schweiz folgt. Klar ist aber auch: Jeder Zinsanstieg wird auch die Hypotheken für Immobilien verteuern. Würden beispielsweise die durchschnittlichen Hypothekarsätze wieder auf das Niveau von 2007 steigen, verdoppelte sich dadurch die Zinslast für die Hypothekarnehmer. Hiervon ausgenommen wären lediglich jene, die sich mit ihrer Bank auf eine langfristige Festhypothek zu günstigen Konditionen verständigt haben. Dies betrifft momentan mit gut 90 Prozent die grosse Mehrheit der Hypothekarnehmer hierzulande. Das Risiko eines zu schnellen Zinsanstiegs liegt damit vielmehr bei den kreditausgebenden Banken, die die Refinanzierungskosten für die ausgereichten Kredite im Auge behalten müssen.

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